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Textklau: Diese Rechte haben Urheber gegen Verletzer

Urheberrecht

Im Internet kommt die ungefragte Übernahme von Texten häufig vor. Urheber müssen das nicht hinnehmen. Wir erklären in diesem Artikel, wann ein Text rechtlich geschützt ist, wie man Textübernahmen ermittelt und seine Urheberschaft beweist sowie welche Ansprüche gegen den Verletzer bestehen.

Wann ist ein Text urheberrechtlich geschützt?

Bevor man sich mit Ansprüchen gegen den Verletzer beschäftigt, stellt sich im ersten Schritt die Frage, ob der übernommene Text überhaupt urheberrechtlich geschützt ist. Das ist nur der Fall, wenn er Schöpfungshöhe aufweist.

Mit Schöpfungshöhe ist gemeint, dass der Text eine „persönliche geistige Schöpfung“ darstellt (§ 2 Abs. 2 UrhG). Die schöpferische Leistung kann bei Texten sowohl in der individuellen sprachlichen Gestaltung als auch in der Sammlung, Auswahl, Einteilung und Anordnung des Stoffes liegen. Bei Schriftwerken ist die Schutzgrenze niedrig anzusetzen („kleine Münze“ des Urheberrechts). Ausgeschlossen bleiben soll vom Urheberrechtsschutz nur Durchschnittliches, das „Handwerksmäßige, Alltägliche und Banale“.

Beispiele: Bei literarischen Werken wie einem Roman liegt faktisch immer Schöpfungshöhe vor. Gebrauchstexte, triviale oder sehr kurze Texte sind dagegen oft nicht geschützt und damit gemeinfrei. Auch Tweets genießen nur sehr selten Urheberrechtsschutz. Bei Allgemeinen Geschäftsbedingungen kann die individuelle Auswahl der einzelnen Klauseln, deren Anordnung und Formulierung zu Urheberrechtsschutz führen.

Die Frage der Schutzfähigkeit stellt sich im Besonderen, wenn nur Teile eines geschützten Textes übernommen wurden.

Bei Veröffentlichung leicht veränderter Texte ist zu klären, ob es sich bei dem veränderten Text um eine Bearbeitung (§ 23 UrhG) oder eine freie Benutzung (§ 24 UrhG) handelt. Eine Bearbeitung ist nur erlaubt mit Einwilligung des Urhebers, eine freie Benutzung auch ohne seine Zustimmung.

Tipp: Da Urheberrechte an Texten zu Marken oder Patenten nicht durch Eintragung in Register oder andere formelle Akte entstehen, sondern allein durch Erstellung des Textes, verbleiben in der Praxis oft Unsicherheiten, ob der jeweilige Text Schöpfungshöhe aufweist. Urheber sollten sich davon jedoch nicht abschrecken lassen, sondern eine professionelle individuelle Einschätzung einholen.

PS. Hat ein Mitbewerber Ihren Text übernommen, können im Einzelfall auch Ansprüche aus Wettbewerbsrecht bestehen (§ 8 Abs. 1 UWG i.V.m. §§ 3, 4 Abs. 1 Nr. 9 UWG). Dies ist aber eher die Ausnahme.

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Wie beweist man seine Urheberschaft?

Praktisch besonders relevant ist in Textklau-Fällen der Nachweis der eigenen Urheberschaft. Verfügt der Text über einen Urhebervermerk, wird bis zum Beweis des Gegenteils vermutet, dass der dort Genannte Urheber des Textes ist (§ 10 UrhG). Gibt es keinen „Copyright-Hinweis“, muss der Urheber den vollen Beweis für seine Urheberschaft erbringen. Für den Nachweis eignen sich zum Beispiel Zeugen, aber auch Logdateien, datierte Ausdrucke des Textes oder Way-Back-Maschinen.

Textklau mithilfe der Wayback Machine nachweisen

Screenshot meiner Website vom 29.01.2014 mit einem Artikel über ein Münchner Impressums-Urteil (Impressum-Grafik: © so47 – Fotolia.com).

Achtung: Urheberrechtliche Unterlassungsansprüche können nur vom Inhaber der ausschließlichen Nutzungs- und Verwertungsrechte am jeweiligen Text geltend gemacht werden. Hat man einen Text verfasst, der bewusst auf einer fremden Website veröffentlicht wurde (etwa als Gastartikel in einem befreundeten Blog), sollte man darauf achten, dass dem Websitebetreiber nur einfache Nutzungsrechte am Text eingeräumt werden, und das am besten schriftlich / per E-Mail. Erhält der Websitebetreiber dagegen ein Exklusivrecht für die Veröffentlichung des Textes (Stichwort „unique content“), kann der Urheber gegen Textklau durch fremde Dritte nicht mehr vorgehen.

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Warum ist die Übernahme von Text durch Dritte nachteilig?

Aus mehreren Gründen. Der Urheber darf daher schon von Gesetzes wegen allein bestimmen, ob und wo sein Text veröffentlicht wird. Dazu gehört das Recht, den Text wirtschaftlich zu verwerten. Im Internet kommt hinzu, dass Google einzigartigen Content schätzt. Doppelte Texte können Duplicate Content verursachen mit der Folge, dass der „berechtigte“ Text im organischen Google-Ranking an Bedeutung verliert.

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Wie ermittelt man einen Diebstahl von Texten?

Im Internet findet man eine Reihe von Tools, mit deren Hilfe Textübernahmen auf einfache und meist kostenlose Weise ermittelt werden können. Der bekannteste Dienste ist Copyscape. Bei Eingabe der URL mit dem eigenen Text in den Suchschlitz ermittelt die Software binnen weniger Sekunden, ob und ggf. auf welchen anderen Webseiten der Text noch zu finden ist.

Alternativ kann man die exakte Suche bei Google nutzen, indem man den Text innerhalb von Anführungszeichen bei Google eingibt. Hier ein Beispiel für unseren Widerrufsbelehrung Generator, dessen Nutzung kostenlos ist, wenn im Gegenzug an der erzeugten Widerrufsbelehrung ein Hinweis auf unseren Generator samt Backlink angebracht wird.

Content-Klau herausfinden per Googlesuche

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Wie schützt man sich gegen Content-Klau?

Absoluten Schutz vor Textübernahmen gibt es nicht, da ein Abschreiben öffentlich zugänglicher Texte aus dem Internet stets möglich ist. Mithilfe von CSS und Javascript lässt sich Text aber zumindest „unmarkierbar“ machen bzw. bei Markierungen + Rechtsklick ein Pop-Up öffnen, das auf die fehlende Kopierbarkeit hinweist. Das Schutzlevel ist allerdings begrenzt, da der Text weiterhin über eine Einsicht in den Quelltext der Seite kopiert werden kann.

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Empfehlungen zur Sicherung der Beweise

Hat der Urheber eine unerlaubte Übernahme seines Textes festgestellt, sollte er zunächst Beweise sichern, da Internetseiten bekanntlich jederzeit abgeändert werden können. Auf Screenshots sollte neben der Textübernahme auch das Datum des Abgriffs festgehalten werden. Insgesamt empfiehlt es sich, den Textklau auf verschiedene Weisen zu sichern. Möglich ist z.B. auch ein Abspeichern der gesamten Webseite (= URL, nicht Website!).

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Und jetzt? Was tun bei Content-Klau?

1. Möglichkeit: Nichts tun

Niemand ist verpflichtet, gegen die Übernahme von Content vorzugehen. Wer Auseinandersetzungen scheut, kann die Seite bei Google unter dem Link https://www.google.com/webmasters/tools/spamreport?hl=de&pli=1. denunzieren. Einfach in der Rubrik „Urheberrecht und andere rechtliche Probleme“ alle Fragen beantworten, dann beschäftigt sich die Suchmaschine mit der Gegenseite.

2. Möglichkeit: E-Mail an Websitebetreiber / Eigenabmahnung

Eine E-Mail an den fremden Websiteinhaber mit der Bitte um Entfernung des Textes ist ebenso möglich wie eine Eigenabmahnung. Letztere ist allerdings nicht risikolos, wenn der Urheber seine Ansprüche später durch einen Rechtsanwalt durchsetzen lassen will, falls keine freiwillige Löschung erfolgt.

3. Möglichkeit: Anwaltliche Abmahnung

Der Verletzer kann per Abmahnung zur Unterlassung aufgefordert werden. Der Urheber darf vom Verletzer die Abgabe einer strafbewehrten Unterlassungserklärung verlangen, mit der sich der Verletzer verpflichten soll, den Text zu entfernen und künftig nicht wieder zu verwenden. Gibt der Urheber die geforderte Unterlassungserklärung ab, steht dem Urheber im Wiederholungsfall die Zahlung einer Vertragsstrafe zu, die meist mehrere Tausend Euro pro Fall beträgt. Für das Vorgehen gegen den Verletzer darf der Urheber einen Rechtsanwalt einschalten, dessen Kosten vom Verletzer zu ersetzen sind.

Zusätzlich darf der Urheber wegen der Verletzung seiner Urheberrechte Schadensersatz verlangen. Der Höhe nach muss bezahlt werden, was ein vernünftigter Lizenzgeber bei vertraglicher Einräumung der Nutzungsrechte verlangt und ein vernünftiger Unternehmer gewährt hatte. Zur Berechnung des Schadensersatzes darf auf branchenübliche Vergütungssatze und Tarife zurückgegriffen werden. Die vom Deutschen Journalisten-Verband erstellte Übersicht über Vertragsbedingungen und Honorare für die Nutzung journalistischer Beitrage im Internet 2013 gehört dazu. Das Amtsgericht Hamburg sprach einem Anwaltskollegen auf dieser Basis zum Beispiel pro Textübernahme jüngst einen Betrag von je 200,00 € zu (AG Hamburg, Urteil vom 23.01.2015, Az. 35a C 46/14). Unter Umständen (z.B. bei absichtlicher Fälschung der Urheberschaft) steht dem Geschädigten nicht nur Schadenersatz, sondern darüber hinausgehend sogar Schmerzensgeld zu (OLG Frankfurt, Urteil vom 04.05.2004, Az. 11 U 6/02, 11 U 11/03).

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ist Rechtsanwalt und Fachanwalt für gewerblichen Rechtsschutz mit Sitz in Mainz. Folge Niklas bei Twitter. Du findest ihn auch bei Facebook.

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